Eigentlich suche ich schon lange nach einer Möglichkeit, mein Taschengeld aufzubessern, damit ich auch selbst mal in den Freßnapf gehen und nach Herzenslust kaufen kann, was Brigitte mir immer verwehrt. Da ich ja ein gebildetes Mädchen bin, lese ich regelmässig den Spiegel und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Was der Harpe Kerkeling kann, kann ich schon lange! Ich laufe den Jakobus-Pilgerweg und dokumentiere das Ganze! Mal sehen, ob ich damit auch auf der Bestseller-Liste landen kann. Schliesslich müsste es doch aus der Sicht eines Hundes interessant sein, was man da alles entdecken kann. Unser Inneres kennen wir ja - das beschnüffeln wir doch schließlich regelmäßig
Brigitte hatte ich schnell überzeugt, Kim war sowieso mit von der Partie und die Heidi brauchten wir auch nicht lange zu überreden. Nix wie raus nach Burgwalden und losmarschiert. Wiesen, Wäder, Weiher - unberührte Natur und wir fast ganz alleine. Das heißt nach Herzenslust laufen, springen, Bälle jagen - keiner, der dich aufhält; zwischendurch ein paar kleine Gehorsamsübungen für die gute Laune - was will Hund mehr?! Wie versprochen habe ich Heidi im Engelshof auf Kaffee und Kuchen eingeladen und hätte fast vor lauter Aufregung den Zwanziger verschluckt *ggg*. Nun, weder der Herr noch Jakobus sind uns über den Weg gelaufen, dafür allerlei seltsames Getier - Überlebende aus der Arche Noah?`Und ein paar erleuchtende Gespräche führten Brigitte und Heidi auch: Über Töchter und Männer und Hunde und Akiras. Und so wurden aus geplanten zwei Stunden Wanderung vier und wir alle waren glücklich und mit uns im Einklang. Wie der Harpe eben. Nur für umsonst.


Konnte ich ahnen, dass ich da in ein Rudel gerate, das ständig am Feiern ist??? Hab’ ich ein Problem damit? Mitnichten! Kaum sind Weihnachten und Silvester vorbei, steht ein Geburtstag vor der Tür! Und mit diesem die Gäste mit: richtig, den Wienerlis! Ich könnte mich kringlig lachen, aber hier traut sich echt keiner auf das Grundstück, ohne bei Kim und mir Bakschisch abzuliefern. Die Leute sind echt gut geprägt *ggg*
Heute hat sich mein Wortschatz um den Begriff “Brunch” erweitert. Das bedeutet, dass Brigitte früh aufsteht, uns kaum Zeit zum Pinkeln lässt und dann hektisch in die Küche stürzt, wie immer sehr zu unserer Freude! Kurz vor Elf kriegt sie einen Anfall, weil sie weder umgezogen, noch geschminkt ist, und als die Türglocke das erste Mal dröhnt, beginnt mein Job: Gäste am Tor abfangen! Und sie kommen alle, einer nach dem anderen, bis die Bude wieder voll ist! Dann wird gesungen und geprostet und gegessen und gelacht, und ich mittendrin. Jetzt kommt der beste Teil: Geschenke auspacken! Ich lasse Brigitte in dem Glauben, die seien alle für sie. Aber mal ehrlich, was glaubt ihr: Für wen hat Fabian das Bild mit dem Agility-Parcours gemalt? Oder Lara den süßen Hund vor der Futterschüssel, umgeben von Sternen und dem Mond? Für wen soll Brigitte die Agility-WM-2006-DVD von Martin und Sabine studieren? Wer soll auf dem herrlich warmen, weichen Schaffell kuscheln? Und wem soll das wunderbare Ledergeschirr Brustgröße 85 passen, wenn nicht mir???? Wozu braucht Brigitte Handschuhe, Schal und Sweatshirt mit Pfote drauf, wenn nicht für für all die herrlichen Spaziergänge mit Kim und mir????? Gut, die Blumen schmecken etwas komisch. Aber selbst auf der einmaligen Kochschürze von Andrea bin ich verewigt: “Brigitte, Kim & Aicy… Köchinnen aus Leidenschaft “! Wie recht sie hat! Nur Tony hat völlig daneben gegriffen, denn was bitte schön soll ich mit Ohrringen?

Es gibt Tage, an denen Lachen und Weinen ganz, ganz nahe beisammen liegen - heute ist so einer. Meine Schwester Akira wird in ihr neues Zuhause umziehen. Eigentlich haben wir uns ja alle den Tag herbei gesehnt, an dem ein neuer Mensch Akira in die Arme nimmt und ihr sagt, dass er fortan für sie sorgen wird. Josy heisst ihr neues Frauchen, die sie mit in ihr neues Rudel nimmt, in dem schon Pela und Stella leben. Heidi, Andrea, Brigitte, Kim und ich haben “die Neue” ganz genau beschnüffelt und konnten an ihr nichts aussetzen - trotzdem fällt so ein Abschied schwer. Eines ist jedenfalls sicher: Wenn ich jemals eine Pflegemama brauche, gehe ich nur zu Heidi! Niemand hätte Akira liebevoller, geduldiger und sorgsamer betreuen können!
Also liebe Schwester, sei lieb zu Josy, nicht zu frech zu Pela und Stella -die sind größer und älter als du, sieh es ein!!!- und paß gut auf dich auf. Ich hoffe auch, dass du die neue Sprache ganz schnell lernst; Brigitte hat gesagt, Niederbayrisch ist ganz eng verwandt mit Deutsch
Abschied von Akira:
Pflegemama Heidi, Tante Brigitte und Frauchen Josy
Seht es halt bitte ein: Auch Hunde brauchen Urlaub! Und genau den haben wir in den letzten zwei Wochen in vollen Zügen genossen. Ausschlafen, lange Wanderungen trotz des schlechten Wetters, Hundeplatz ohne Ende, Gaudi auf der Wiese, Baden im Elbsee mitten im Winter mit Kilo und Milva, wichtige Besprechungen mit Merlin und Cute in Oberammergau … alles ohne Zeitdruck und Hektik … es war sooo schön! Ab sofort sind wir wieder online!
Dazwischen haben wir auch noch mein erstes Silvester gefeiert - war das lustig, all die Kracher und Raketen nur für mich! Leider hielt mich Brigitte eisern an der Leine, so dass ich doppelte und dreifache Rittberger einlegen musste, um den Herrlichkeiten wenigstens optisch folgen zu können! Mal sehen, was das neue Jahr für uns bereit hält!